Christine Lagarde

IWF-Chefin

  ASPEKTE

Die Unnachgiebige

  • Sie ist eine große Verfechterin des Welthandels ohne Hürden.
  • Die Juristin bietet sämtlichen Krisen und persönlichen Herausforderungen die Stirn.
  • Französin setzt sich für Gleichberechtigung ein und geht mit gutem Beispiel voran.

 

Als IWF-Chefin ist die Französin eine der wichtigsten Vertreterinnen des Freihandels, sie steht für den Wegfall von Handelshürden und plädiert immer wieder für eine weltweite Zusammenarbeit. 2011 hat sie das Amt von dem französischen Präsidentschaftskandidaten Dominique Strauss-Kahn übernommen, der in einen Vergewaltigungsskandal verwickelt war. In ihre Amtszeit fielen unter anderen die Griechenland-Krise, sinkendes Wachstum der Weltwirtschaft und nun die Regierung Trump. Sie hat den Ruf, kein Blatt vor den Mund zu nehmen, um ihre Meinung durchzusetzen.

Im Februar 2016 wurde sie zu einer zweiten fünfjährigen Amtszeit gewählt. Auch die „Tapie-Affäre“ hat ihr kaum geschadet. Und das, obwohl die Vorwürfe gegen sie scharf waren. Angeblich soll der französische Staat zu ihrer Amtszeit als Finanzministerin dem Geschäftsmann Bernard Tapie eine zu hohe Entschädigung gezahlt haben. Es ging um Schadenersatz in dreistelliger Millionen-Euro-Höhe. Mit Affären und Skandalen hatte sie schon früh in ihrer Karriere Kontakt. So gewann sie bereits  während ihres Studiums bei einem Praktikum im US-Kongress zur Zeit des Watergate-Skandals erste Einblicke in den gnadenlosen Washingtoner Politikbetrieb.

Mit ihrer Standhaftigkeit kam sie 1981 der US-amerikanischen Großkanzlei Baker McKenzie in Paris. Dort stieg Lagarde schnell auf: nach sechs Jahren war sie Partnerin, leitete dann verschiedene europäische Büros, bevor sie 1999 Vorstandsvorsitzende im Hauptsitz Chicago wurde.

Der französische Konservative De Villepin holte sie 2005 als Ministerin für Außenhandel in die Regierung, ohne dass sie eine lange Behörden- oder Parteilaufbahn gehabt hätte. 2007 bis Juni 2011 war sie Wirtschafts- und Finanzministerin im Kabinett von Premierminister François Fillon in der Regierung von Nicolas Sarkozy. In der Mehrzahl ihrer Posten war Lagarde die erste Frau. Sie ist bekannt dafür, sich für Frauen und Gleichberechtigung einzusetzen, und geht selbst mit gutem Beispiel voran.


  AUSSAGEN

Christine Lagarde über den möglichen Frexit, den Freihandel und Kapitalismus

  • Der FR-Exit „führt zur Verarmung Frankreichs“.
  • Die Einschränkung des Freihandels wird aus ihrer Sicht „die Geringverdiener am härtesten treffen“.
  • Der Kapitalismus biete genug Freiraum für Innovationen.

 

Zu einem möglichen FR-Exit:

„Er würde kurzfristig eine Zeit schwerer Unsicherheit, großen Ungleichgewichts und einer Verarmung Frankreichs einläuten.“

Über ihre Offenheit:

„Wissen Sie, es ist auf gewisse Weise mein Markenzeichen geworden: die Wahrheit aussprechen, auch wenn das nicht ‚politisch korrekt‘ ist.“

Über sich selbst und ihre Wahrnehmung:

„Ob ich intelligent oder attraktiv bin, müssen andere beurteilen, aber ich wehre mich gegen ,ehrgeizig‘, weil es ganz einfach nicht stimmt.“

Über Umverteilung und Gerechtigkeit:

„Der IWF hält eine gleichmäßigere Einkommensverteilung nicht nur für gute Sozialpolitik, sondern auch für gute Wirtschaftspolitik.“

Über Freihandel:

„Ein Rückzug vom Freihandel und von offenen Märkten würde die beispiellosen Zuwächse beim Wohlstand und Lebensstandard der letzten Jahrzehnte gefährden und die gering verdienenden Haushalte am härtesten treffen.“

Über Sparpolitik im Zeitalter von Wirtschaftskrisen:

„Sie schließen sich nicht gegenseitig aus. Haushaltsdisziplin und ein starkes Wachstum sind gleichzeitig möglich.“

Über Kapitalismus:

„Ich bin der Meinung, dass das kapitalistische System ausreichend Spielraum für Innovationen bietet, und glaube an die Kräfte des Marktes, allerdings in einem regulatorischen Umfeld, das den Staaten die Instrumente an die Hand gibt, um auf Ungleichheiten zu reagieren.“

Über Deutschland:

„Deutschland wird die Führung der G20 übernehmen und sich wohl für Strukturreformen und Maßnahmen einsetzen, die die Widerstandskraft der größten Volkswirtschaften erhöhen.“

Über China:

„China wird damit fortfahren, sein Wirtschaftsmodell weg von Exporten hin zur Inlandsnachfrage zu bringen.“

Über die USA:

„Die neue US-Verwaltung wiederum wird ihren Schwerpunkt auf die Reform der Unternehmensteuern und die Infrastrukturinvestitionen legen.“

Über die Anklage der Fahrlässigkeit in Fall Bernard Tapie:

„Fahrlässigkeit ist ein unabsichtlich begangenes Vergehen. Ich denke, wir sind alle irgendwann in unserem Leben ein bisschen fahrlässig.“

Über neue Handelsbarrieren:

„Ich denke, das wäre recht desaströs. Wobei ich nicht denke, dass ich desaströs sagen sollte, weil das ein übertriebenes Wort ist, und solche sollte ich nicht benutzen. Aber es würde auf jeden Fall negativen Einfluss auf das globale Wachstum haben.“

Über Trumps Wirtschaftspolitik:

„Die besorgniserregenderen Neuigkeiten sind eigentlich, dass sie Konsequenzen für den Rest der Welt haben wird.“


  ANSICHTEN

Stimmen zu Christine Lagarde

  • „Sie liebt es, persönliche Beziehungen zu knüpfen, um ergebnisorientiert zu arbeiten.“
  • Die Französin repräsentiere französischen Werte.
  • „Sie macht eine Superarbeit!“

 

Kenneth Rogoff, ehemaliger IMF-Chef- Ökonom:

„Sie ist enorm beeindruckend, politisch scharfsinnig und eine starke Persönlichkeit. In Finanzverhandlungen auf der ganzen Welt wird sie praktisch wie ein Rockstar behandelt.“

Ehemaliger Mitarbeiter im Finanzministerium:

„Sie liebt es, persönliche Beziehungen zu knüpfen, um ergebnisorientiert zu arbeiten.“

„Effekthascherei ist nicht ihre Sache.“

Wolfgang Schäuble, deutscher Finanzminister:

„Sie ist eine große Dame. Sie hat vieles, was ich nicht habe. Ich habe ein bisschen politische Erfahrung vielleicht, ja. Wir mögen uns. Und das ist einfach schön.“

DeAnne Julius, Leiterin der Denkfabrik Chatham House:

„Sie ist gründlich vertraut mit allen wesentlichen Themen, und sie ist eine großartige Verhandlungsführerin mit guten politischen Instinkten.“

Gilles Moec, Deutsche Bank:

„Interessant ist, dass sie für die französischen Werte steht, die jetzt wahrscheinlich gefragt sind, und zugleich die angelsächsische Herangehensweise versteht."

Joe Biden, ehemaliger US-Vizepräsident:

„Sie macht eine super Arbeit!“

Charles Wyplosz, französischer Wirtschaftsprofessor:

„Sie hat es geschafft durch schwierige Fahrwasser zu navigieren, indem sie den IWF umorientiert hat und ihre Fehler der Vergangenheit zugegeben hat, wie den die Effekte der Sparpolitik auf  das Wachstum unterschätzt zu haben, und sich trotzdem selbst treu zu bleiben.“

Xavier Giocanti, Unternehmer aus Marseille, Lebensgefährte von Christine Lagarde:

„Keiner möchte es glauben, aber Christine hat keine Agenda, null Planung: wenn sie sich bewegt hat, dann immer weil andere sie darum gebeten haben.“

Paul Blustein, ehemaliger Reporter der Washington Post, Senior Fellow bei der Denkfabrik Centre for International Governance Innovation:

„Der IWF hat von einer dramatischen Verbesserung seines öffentlichen Profils profitiert, seit sie übernommen hat.“

„Charme, Intellekt, Führungsqualitäten und ihr Öffentlichkeitssinn haben Lagarde weitgebracht. All diese Ressourcen werden grundlegend sein, wenn sie ihren Job mit der gleichen Anerkennung verlassen will, die ihr gegenwärtig entgegen gebracht wird.“

Unsere Partner

  • ECOVIS Beijing
  • Osteuropaverein
  • Burkardt und Partner
  • Rödel & Partner
  • PricewaterhouseCoopers
  • RSP International
  • Thost
  • Schneider Group
  • Fischer HRM
  • Brand & Partner
  • Allianz
  • SGS Group Germany
  • Rufil Consulting
  • Irana Consulting
  • Noerr
  • GERMELA
  • Deloitte Legal
  • Commerzbank
  • Koehler Group
  • CT Executive Search
  • Certification & Consulting
  • arsa consulting
  • Lorenz & Partners