Emmanuel Macron

Französischer Präsidentschaftskandidat

  ASPEKTE

  • Macrons Lebenslauf ist eigentlich recht nah am Establishment.
  • Aus seiner Vergangenheit hängt ihm der Ruf als „Vertreter der liberalen Finanzelite“ an.
  • Er ist der erste parteilose Kandidat in der Geschichte der 5. Republik.

 

Emmanuel Macron ist der neue Polit-Superstar auf der anderen Seite des Rheins – und vielleicht bald der jüngste Präsident Frankreichs. Macron, der sich selbst nicht als „klassischen Politiker“ sieht, hat dennoch einen recht klassischen Weg für erfolgreiche Franzosen aus gutem, bürgerlichem Hause eingeschlagen.

Im nordfranzösischen Amiens geboren, war der Ärztesohn ein Bücherwurm und spielt wohl heute noch fabelhaft Klavier. Er besuchte eine jesuitische Privatschule und studierte an den renommierten Schulen Henri-Le-Grand und dem Pariser Institut für Politikwissenschaften, umgangssprachlich Sciences Po genannt. Nachdem er 2004 die Kaderschmiede ENA (Nationale Verwaltungshochschule) – inklusive eines Praktikums in Nigeria – abgeschlossen hatte, begann er seine Karriere im Staatsdienst als Finanzinspektor. Dort war er 2007 Berichterstatter der „Wachstumskommission für Frankreich“ (auch „Attali-Kommission“ genannt, nach dem Vorsitzenden und EBRD-Gründer Jacques Attali), die verschiedene mögliche Wirtschaftsreformen ausarbeitete.

Ein Jahr nachdem der Republikaner Nikolas Sarkozy in den Elysée-Palast eingezogen war, wechselte Macron 2008 in die Privatwirtschaft zum Traditionsbankhaus Rothschild & Cie. Dort arbeitete Macron an Übernahmen und Fusionen, so zum Beispiel am milliardenschweren Verkauf der Säuglingsnahrungssparte des US-Pharmakonzerns Pfizer an Nestlé. Deswegen muss er heute noch gegen seine Reputation als skrupelloser „Vertreter der liberalen Finanzelite“ ankämpfen. 2012 holte der neue sozialistische Präsident Francois Hollande sich den jungen Banker als Berater für Wirtschaftsfragen ins Kabinett. Zwei Jahre später machte er den damals 36-Jährigen zum Wirtschaftsminister. In dieser Position hatte Macron auch mit den CETA- und TTIP-Verhandlungen zu tun.

Im April 2016 startete Macron seine eigene politische Bewegung – keine Partei, sondern „En Marche!“ Schon nach ein paar Monaten legte er den Posten des Wirtschaftsministers nieder und verließ die Regierung, um sich voll und ganz seiner Kandidatur als unabhängiger Präsidentschaftskandidat zu widmen. „En Marche!“ versteht sich sinngemäß als progressive sozialliberale Bewegung, zum ersten Mal in der Geschichte der 5. Republik hat es ein parteiloser Kandidat in die „Deuxieme Tour“, die Stichwahl, geschafft. Macron sieht das französische Zweiparteiensystem als überholt an, und sich selbst als „weder rechts noch links“. Damit hat er geschafft, was der Zentrist Francois Bayrou in den vergangenen Jahren vergeblich versucht hatte: Frankreich eine neue, sozialliberale politische Kraft zu schenken.


  AUSSAGEN

  • Macron hält CETA für einen guten Vertrag.
  • Er ist durch und durch Europäer – will aber ein anderes Europa.
  • Sich selbst sieht er nicht als klassischen Politiker.

 

Über die (Wirtschafts-) Beziehungen mit den USA:

„Die erste Diskussion, die wir mit den Amerikanern führen müssen, ist herauszufinden, wie wir unsere gemeinsamen Interessen und Präferenzen schützen.“

„Wir müssen dem US-amerikanischen Protektionismus Maßnahmen der europäischen Einigkeit gegenüber stellen.“

Über Freihandelsabkommen:

„Wir müssen uns in eine offene Welt denken, und die globalen Gleichgewichte ganz genau ansehen, vor allem bei China und der Notwendigkeit einer engen Verbindung mit den Amerikanern.“

CETA „verbessert unsere Beziehungen mit Kanada. Viele der (EU-)Mitgliedsstaaten haben anerkannt, dass in diesem Vertrag ein gutes Gleichgewicht zwischen Staat und Investor gefunden worden ist.“

Über sich und seine Politik:

„Ich bin ein Kämpfer, der immer dann zweifelt, wenn es notwendig wird.“

„Ich bin kein klassischer Politiker (…) Ich möchte eine andere Herangehensweise anwenden. Ich möchte, dass die Wähler den Menschen, für die sie gestimmt haben, wieder vertrauen können.“

„Ich bin optimistischer Realist.“

„Ich möchte eine sehr viel stärkere Allianz mit Deutschland“

„Wir brauchen ein deutsch-französisches Paar, das Impulse gibt, wir brauchen für die Eurozone einen Haushalt, ein Parlament und eine Regierung.“

„Wir brauchen mehr Zusammenhalt, mehr Solidarität, mehr Übereinstimmung zwischen unseren Ländern und unseren Wirtschaften.“

Über Frankreichs Reformbereitschaft:

„Die Bevölkerung sperrt sich, wenn die Politiker ihre Reformabsichten nicht schon vor der Wahl deutlich gemacht haben. Frankreich reformiert sich anders als beispielsweise Deutschland oder England, also parlamentarische Systeme. Frankreich ist ein Land, das eher plötzlich umschwenkt.“

Über die EU:

„Ich habe Europa im Herzen!“

„Wir brauchen einen gemeinsamen Finanzminister und einen permanenten Direktor der Eurogruppe. (…) Der Impetus für diese Reformen muss aus Deutschland und Frankreich kommen.“

Über Populismus und Le Pen:

„Ich wende mich direkt an die Menschen, das ist für mich Demokratie. Aber ich serviere den Leuten nicht, was sie gerne hören wollen.“

„Wenn Frankreich die EU verlässt, würden sich sowohl unsere Wettbewerbsfähigkeit als auch unsere Kaufkraft verringern. (…) Le Pen würde Europa und die Eurozone zerstören.“


  ANSICHTEN

  • Macron erntet viel Lob für seine pro-europäische Einstellung.
  • Kritiker bezweifeln allerdings seine Fähigkeit, wirkliche Reformen umzusetzen.
  • Sein Einfluss werde nicht zuletzt auch von der Parlamentswahl abhängen.

 

THE ECONOMIST, britisches Wirtschaftsmagazin:

„Macron ist der einzige Kandidat, der sich – mit klarem Kopf – für eine offene Gesellschaft und eine offene Wirtschaft entschieden hat. Für die Werte, die diese Zeitschrift teilt.“

Stephane Richard, Chef von France Telecom (September 2012):

„Er ist unsere Anlaufstelle beim Präsidenten [Hollande].“

Bertrand Delanoe, ehemaliger Bürgermeister von Paris (Parti Socialiste)

„Er hat Statur, Talent und Charakterstärke.“

Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung

„Das Ergebnis des ersten Wahlgangs der französischen Präsidentschaftswahl ist ein vielversprechendes Zeichen auch für Deutschland und Europa.“

Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank

„Seine Politik wird das Problem der bedrückend hohen Arbeitslosigkeit allenfalls lindern, aber nicht lösen.“

„Macron ist kein echter Reformer.“

Über Macrons Eintreten für Eurobonds: „auf Konfrontationskurs zu Berlin“.

Clemens Fuest, Präsident des Münchener Ifo-Instituts :

„Ob er diese Reformen umsetzen kann, wird davon abhängen, ob es ihm gelingt, auch die Parlamentswahlen zu gewinnen.“

Bohuslav Sobotka, Premierminister der Tschechischen Republik:

„Eine große Hoffnung für alle, die die Nase voll haben von Nationalismus, Extremismus und Populismus!“

Sigmar Gabriel, Deutscher Außenminister:

„Großartig für Europa“

„(Er ist) nach dem, was ich beobachte, in Frankreich der einzige Präsidentschaftskandidat, der einen klaren und unmissverständlichen Kurs für Europa fährt.“

„Macron hat die Kraft, das Land aus der Lethargie zu führen.“

Steffen Seibert, Pressesprecher der Deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel:

„Gut, dass Emmanuel Macron mit seinem Kurs für eine starke EU und soziale Marktwirtschaft Erfolg hatte.“

Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU), Wirtschaftsministerin von Baden-Württemberg:

„Mit Emmanuel Macron konnte sich eine proeuropäische, nicht auf Abschottung und Protektionismus setzende Stimme mit Wirtschaftserfahrung durchsetzen.“

 

Foto: World Economic Forum via Flickr.com

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