Janet Yellen

Janet Yellen, FED-Präsidentin

  ASPEKTE

Die Gegnerin: Fed-Chefin wird zur Trump-Antagonistin stilisiert

  • Yellens Politik könnte für das Konjunkturprogramm des designierten US-Präsidenten zur Gefahr werden.
  • Die kühle Vollblutökonomin will sich nicht von politischen Vorgaben leiten lassen.
  • Zwischen Trump und Yellen könnte es aber auch Gemeinsamkeiten geben.

 

Seit 2014 ist Janet Yellen Chefin der amerikanischen Notenbank, der Fed. Damit ist sie nicht nur eine der mächtigsten Frauen der USA, sondern hält auch noch den Schlüssel zum Dollar in ihren Händen. Ihr Handeln hat damit zwangsläufig nicht unerhebliche Auswirkungen auf die Weltwirtschaft.

Aber Yellen ist nicht nur Fed-Vorsitzende, sie könnte auch schon bald zu einer der ärgsten Widersacher des designierten US-Präsidenten Donald Trump werden. Denn die Fed fuhr seit der Finanzkrise von 2008 eine Niedrigzinspolitik. Doch das ist jetzt vorbei. Im Dezember erhöhte sie den Leitzins erstmals seit einem Jahr wieder, um 0,25 Prozent auf ein Niveau zwischen 0,5 und 0,75 Prozent. 2017 sollen weitere Erhöhungen folgen. Trump kann das nicht recht sein. Sein Konjunkturprogramm funktioniert nur, wenn es billiges Geld gibt. Und dazu benötigt er niedrige Leitzinsen.

Das Gegenteil von Trump
In den Medien hat sich so das Bild der perfekten Antagonisten etabliert. Auf der einen Seite der lauthalse Milliardär. Auf der anderen Seite die kühle Technokratin. Janet Yellen ist 70 Jahre alt, wie Trump. Sie kommt aus New York, wie Trump. Doch sonst haben beide wenig gemein.

Denn Yellen gibt sich nach außen hin stets diplomatisch, prinzipientreu, neutral und korrekt. Statt sich „Chairwoman“ des Direktoriums nennen zu lassen, belässt es die erste Frau auf diesem Sessel seit Gründung der Institution beispielsweise bei einem neutralen „Chair“.

Dabei könnte sie stolz sein auf ihre Vorreiterschaft als Frau. Ihr Vater war Arzt, ihre Mutter Lehrerin. Yellen wurde im jüdischen Glauben aufgezogen. In Yale machte sie 1971 ihren Doktor in Ökonomie – als einzige weibliche Absolventin. Ihr Leben ist von der Wirtschaftswissenschaft geprägt: Ihr Mann, George Akerlof, lehrte an der London School of Economics und in Berkley. 2001 erhielt er zusammen mit Joseph E. Stiglitz und Michael Spence den Nobelpreis für Wirtschaft.

Unter der Clinton-Administration wechselte Yellen von einem Lehrauftrag an der Uni in die Notenbank. 2004 übernahm sie die Leitung der Notenbankfiliale in San Francisco. Yellen machte sich einen Namen und als 2014 der Chefposten der Zentralbank neu zu besetzen war, schrieben 500 Ökonomen einen offenen Brief an die Obama-Administration, um für die New Yorkerin zu werben. Mit 56 zu 26 Stimmen wurde sie zur Präsidentin gewählt – das schlechteste Ergebnis in der Geschichte der Bank. Bis 2018 ist sie als Vorsitzende gesetzt. Bis 2024 steht ihr ein Platz im Direktorium der Fed zu.

Doch auch Gemeinsamkeiten?
Vielleicht gibt es aber doch auch Gemeinsamkeiten zwischen Yellen und Trump. Denn eigentlich gilt Yellen als geldpolitische „Taube“, die niedrige Zinsen favorisiert, so lange es hilft, den Arbeitsmarkt anzuheizen – auch wenn dafür eine gewisse Inflationsgefahr in Kauf zu nehmen ist. Ähnlich sah es Trump in der Vergangenheit.

Dass die Fed jetzt die Zinsen wieder anhebt, passt zu Yellens Selbstverständnis als von Fakten geleitete Ökonomin. Von Trump will sie sich nicht beeinflussen lassen. Mit Kommentaren zu seiner Wahl hat sie sich diplomatisch zurückgehalten.

Trump hatte zwar in Aussicht gestellt, sie direkt nach Ende ihrer Amtszeit abzulösen. Doch in der Vergangenheit hatte er auch schon Lob für Yellen übrig.


  AUSSAGEN

Janet Yellen über die Fed, ihre Person und Donald Trump

  • Wenn nötig, ist Yellen für fiskalpolitische Maßnahmen.
  • Derzeit sieht sie aber keine Notwendigkeit.
  • In die Politik der neuen Administration will sie sich nicht einmischen.

 

Zu ihrer Person:

Auf den Kommentar „Sie sind smart, verlässlich, aber nicht sehr aufregend“ eines Senators in der Berufungskommission zu ihrem Amtsantritt: „Vielen Dank, ich weiß das zu würdigen.“

Über die Finanzmärkte

„Eine unserer Top-Prioritäten ist, das Finanzsystem als ganzes zu verbessern und zu überwachen, um Risiken für die Finanzstabilität aufzudecken. Das ist etwas, was wir vor der Finanzkrise nicht adäquat getan haben.“

Über Kürzungen im Staatshaushalt:

„Ich erkenne sicherlich die Bedeutung des Ziels, die Staatsverschuldung auf einen nachhaltigen Pfad zu setzen... aber einige der kurzfristigen Kürzungen haben ohne Frage der Wirtschaft und der Nachfrage Schwung genommen, was es für die Fed schwieriger macht, die Wirtschaft in Gang zu bringen.“ (im Frühjahr 2016)

Über fiskalpolitische Maßnahmen der kommenden Trump-Administration:

„Ich würde sagen, dass wir derzeit offensichtlich keine fiskalpolitischen Stimuli brauchen, um Vollbeschäftigung zu erreichen. Nichtsdestotrotz, ich will vorsichtig sein, dass ich nicht versuche, der neuen Administration und dem Kongress Ratschläge zu geben, was die angemessene Politik wäre. Es gibt viele Überlegungen, denen der Kongress Rechnung tragen muss.“

Über Trump und Ambitionen der Fed, sich in Parteipolitik einzumischen:

„Ich werde dem zukünftigen Präsidenten keine Ratschläge geben, wie er sich politisch zu verhalten hat.“

„Ich kann mit Überzeugung sagen, dass Parteipolitik für unsere Entscheidungen zur angemessenen Geldpolitik keine Rolle spielt.“

Auf die Frage, ob sie in Folge der Wahl Trumps zurücktreten wolle:

„Nein, ich mache es bis zum Ende.“


  ANSICHTEN

Stimmen zu Janet Yellen und der Fed: "Sie wird erbittert kämpfen"

  • Paul Krugmann sieht die Unabhängigkeit der Fed in Gefahr.
  • Trump äußert sich widersprüchlich über niedrige Zinsen.
  • Finanzexperten rechnen mit Konflikt.

 

Paul Krugman, Ökonom und Nobelpreisträger:

„Man kann darauf wetten, dass die Fed ihre Unabhängigkeit verliere und künftig von Verrückten schikaniert werden wird.“

Clemens Füst, Präsident des Münchner ifo-Instituts:

„Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, dem weitere folgen müssen.“ (über die Zinserhöhung der Fed)

Donald Trump, designierter US-Präsident:

„Wenn sie die Leitzinsen erhöhen, werden einige sehr schlechte Dinge passieren, denn sie (die Fed, Anm.) machen nicht ihren Job.“

„Wir befinden uns in einer großen, fetten Blase. Das einzig gute ist der Aktienmarkt. Aber wenn man die Zinsen auch nur ein kleines bisschen anhebt, bricht das alles zusammen.“

„Janet Yellen hätte die Zinsen erhöhen sollen. Sie tut es nicht, weil die Obama Administration und der Präsident es nicht wollen.“ (im November 2015)

„Wenn wir sehen, dass sich Inflation andeutet – und wir sehen derzeit keine Anzeichen dafür, aber – wenn sich Inflation andeutet, ist das etwas Anderes. Dann muss man sie (die Zinsen, Anm.) anheben und die Dinge bremsen. Aber im Moment bin ich für niedrige Zinsen.“ (im Mai 2016)

„Sie (Yellen, Anm.) sollte sich schämen. Was sie (die Fed, Anm.) tun, sind, wie ich glaube, falsche Marktanreize.“

„Sie ist keine Republikanerin. Wenn ihre Zeit um ist, werde ich sie höchstwahrscheinlich aufgrund der Tatsache ersetzen, dass ich es für angemessen halte.“

„Ich habe großen Respekt für sie.“ (im Mai 2016)

„Ich hatte gehofft, die Fed sei unabhängig. Aber sie ist offensichtlich (...) weit davon entfernt.“

Chris  Zaccarelli, Chief Investment Officer beim Finanzberatungshaus Cornerstone Wealth über Yellens Bemühungen, von der Politik unabhängig zu bleiben:

„Sie wird erbittert darum kämpfen.“

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