Jim Yong Kim

Präsident der Weltbank

  ASPEKTE

Vom Klassensprecher zum Weltbankpräsident

  • Kim hat seine Karriere eigentlich in der Entwicklungszusammenarbeit gemacht.
  • Seine Nominierung als Weltbank-Chef war für viele eine Überraschung.
  • Die Organisation will er für neue Themen öffnen.

 

1964 kam der fünfjährige Jim Yong Kim mit seiner Familie von Südkorea nach Iowa in die USA. Selbst aus einer Akademikerfamilie stammend – der Vater Dozent für Zahnmedizin, die Mutter Doktor der Philosophie mit Spezialisierung auf Neo-Konfuzianismus – legte der Junge im Land der unbegrenzten Möglichkeiten eine vorbildliche Karriere vom Klassensprecher bis zum Weltbankpräsidenten hin. Bei seiner ersten Wahl 2012 kam es allerdings zum ersten Mal in der Geschichte der Institution zu einer Kampfabstimmung zwischen dem amerikanischen Kandidaten Kim, der nigerianischen Finanzministerin Ngozi Okonjo-Iweala und dem ehemaligen kolumbianischen Finanzminister Jose Antonio Ocampo.

Eigentlich hatte Jim Yong Kim sich sein Leben ganz in den Dienst der Kranken und Armen gestellt. Unter anderem hatte er lange für die Weltgesundheitsorganisation gearbeitet. Internationale Wirtschaftspolitik hatte in Kims Karriere kaum eine Rolle gespielt, dafür aber die Entwicklungspolitik. 2003 erhielt er den McArthur-Fellowship-Preis, den sogenannten „Genie-Preis“, für seine Arbeit gegen Tuberkulose und andere virale Erkrankungen. Als promovierter Anthropologe, Doktor mit Spezialisierung auf Tuberkulose und Leiter der Abteilung zur Bekämpfung von Aids bei der Weltgesundheitsorganisation war der in Südkorea geborene Kim ein untypischer Kandidat für den Posten als Präsident der Weltbank.

Dementsprechend waren viele überrascht, als ihn der damalige US-Präsident Barack Obama als seinen Wunschkandidaten sozusagen aus dem Hut zauberte. Erfahrung in der Weltbank hatte er keine, aber die USA verfügen über die meisten Stimmen im für die Wahl des Präsidenten Ausschlag gebenden Exekutiv-Rat.

In die Richtung der Entwicklungspolitik geht auch der Fokus Kims Arbeit für die Weltbank auf Armutsbekämpfung – mit der Vernichtung der Armut bis 2030 als ehrgeizigem Ziel und der Öffnung der Bank für neue Themen, wie dem Kampf gegen Klimawandel, Fluchtursachen und Pandemien. Mit diesen neuen Bereichen hat sich Kim nicht nur Freunde in der Organisation gemacht. Das gleiche gilt für seine offene Personalpolitik, mit der er auch schon als Dekan der amerikanischen Elite-Universität Dartmouth (2009 bis 2012) angeeckt sein soll.

In der Weltbank wird sein Engagement aber wohl doch eher geschätzt, denn im Herbst 2016 wurde Kim vorzeitig für eine zweite Amtszeit bestätigt.


  AUSSAGEN

Der Weltbank-Chef über seinen Posten, die Weltbank und aktuelle Herausforderungen

  • Kim ruft zu mehr Kooperation „als jemals zuvor“ auf.
  • Ungewöhnliche Zeiten bräuchten „innovative“ und „kreative“ Maßnahmen.
  • Die Weltbank hält er für die wichtigste Institution im Kampf gegen Armut.

 

Über die aktuellen Herausforderungen in der Weltwirtschaft:

„Diese [protektionistischen, Anm. d. Red.] Trends kommen zu einer Zeit, wo wir mehr Kooperation, größere wirtschaftlichere Integration und stärkere Partnerschaften brauchen als jemals zuvor, wenn wir wollen, dass die Weltwirtschaft zu höheren Raten von inklusivem, nachhaltigem Wachstum zurückkehrt.“
 
„Offenheit und Partnerschaften zwischen Ländern haben eine wichtige Rolle darin gespielt, eine nie dagewesene Periode von Wachstum und Armutssenkung zu ermöglichen“
 
„Dies sind keine gewöhnlichen Zeiten. Deswegen können wir uns nicht auf gewöhnliche Maßnahmen stützen. Wir alle in der Welt Bank Gruppe fühlen eine enorme Verantwortung dafür, genau diese innovativen und kreativen Maßnahmen vorwärts zu treiben, die in unserer Welt gebraucht werden – und zwar auf dem Niveau, das nötig ist, um die Herausforderungen anzugehen.“

Über die Weltbank:

„Ich halte [die Weltbank] für das wichtigste Instrument zur Überwindung der Armut.“
 
„Wir haben uns an das Verständnis gewöhnt, dass Entwicklung etwas ist, das einsetzt, wenn die Humanitäre Krise vorüber  ist (…) So denken wir inzwischen nicht mehr.“

Über den Kampf gegen Armut:

„Jedes Mal wenn ich meine Hoffnung in die Armen gesetzt habe, bin ich überrascht und inspiriert worden.“

„Wir haben die moralische Verpflichtung, Menschen dabei zu helfen, sich selbst aus der Armut zu befreien und ihnen Hoffnung für die Zukunft zu geben.“

Über seinen Posten:

„Als ich dann wirklich gesehen habe, was es bedeutet, eine Bank mit einer Jahresbilanz zu leiten, welche Mission es hat, extreme Armut zu beenden, war das so ‚wow!’“
 
„Es gibt keine Probleme in der Welt, die bessere Menschen nicht lösen können.“

Über Rohstoffpreise:

„Wirtschaftswachstum bleibt die wichtigste Triebfeder für die Armutsbekämpfung, und deswegen sind wir besorgt, wenn das Wachstum bei Rohstoffexporteuren scharf abgebremst wird.“

Über Tuberkulose und Pandemien:

„Wir können keine Chancengleichheit für alle erreichen, wenn Menschen immer noch an vermeidbaren Krankheiten sterben.“


  ANSICHTEN

Ehemalige Mitarbeiter und Weggefährten über Jim Yong Kim.

  • Barack Obama hält Kim für einen idealen Kandidaten für den Job.
  • Befürworter loben seine zugängliche Art.
  • Sein Führungsstil hat aber auch Kritiker.

 

Barack Obama, 44. US-Präsident :

„Jim hat mehr als 20 Jahre damit verbracht, für bessere Bedingungen in Entwicklungsländern auf der ganzen Welt zu arbeiten. (…) Jims persönliche Erfahrung und sein jahrelanger Dienst machen ihn zum idealen Kandidaten für den Job.“

„Es ist an der Zeit, dass ein Profi für Entwicklungshilfe die größte Entwicklungshilfeorganisation der Welt führt.“

Timothy Geithner, ehem. US-Finanzminister:

„Kim hat wegweisende Arbeit im Kampf gegen Krankheiten und Armut geleistet.“

Paul Cadario, ehem. Weltbank-Mitarbeiter und Professor an der Universität Toronto:

„Dr. Kim ist sympathisch, Dr. Kim ist artikuliert, Dr. Kim sieht so aus, als würde es ihm sehr ernst sein mit dem, was er zu sagen hat.“

Lant Pritchett, ehem. Weltbank-Ökonom:

„Die Interessen der reichen Mitglieder und der armen Länder – Kreditnehmer – driften auseinander. Es ist als ob die Bank mit je einem Fuß auf zwei verschiedenen Booten steht – früher oder später muss sie hinüberspringen oder sie fällt ins Wasser. Im Moment macht Kim einfach Spagat.“

Der McArthur Fellowship-Vergabe-Ausschuss:

„Jim Yong Kims Arbeit inspirierte lokale Gemeinden, Politiker und Pharma-Unternahmen produktiv zusammen zu arbeiten.“

Tim Evans, Leiter der Weltbank-Abteilung für Globale Gesundheit:

„Statt in bürokratischen Maßnahmen festzuhängen (…) sagt Jim: ‚Wenn das Leben armer Menschen auf dem Spiel steht, dann ist es unser Job‘.“

Jean-Louis Sarbib, ehem. Senior Vice-President der Weltbank:

„Ich glaube nicht, dass er versteht, dass die Weltbank keine sehr große NGO ist.”

Satirischer Kritik-Brief des Weltbank-Personals über Kim:

„Er und seine Bande von externen Beratern stückeln aus vereinzelten Teilen toter Management-Theorien eine unheilige Kreatur zusammen, die keiner jemals dagewesenen Entwicklungsbank ähnelt.“

Ngozi Okonjo-Iweala, damalige Finanzministerin von Nigeria (2012):

„Es ist eine Wahl mit politischen Gewichten, und daher werden die USA gewinnen.“

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