Joe Kaeser

Vorstandsvorsitzender der Siemens AG

  ASPEKTE

Arbeitersohn, Wirtschaftsboss und Trump-Kritiker

  • „König Joe“ startete sein Berufsleben als Helfer auf dem Bau.
  • Als Siemens-Manager in Cupertion entwickelte er eine Affinität zur Start-up-Szene.
  • Auch über Siemens hinaus beeinflusst er Wirtschaft und Politik.

 

Auf der Hauptversammlung des Konzerns Ende Januar kritisierte Siemens-Chef implizit die Regierung Trump. Das ist nicht nur bemerkenswert, weil er sich kurz zuvor noch positiv zu Trumps Beraterteam geäußert hatte. Sondern auch weil Kaeser einer der einflussreichsten Wirtschaftsbosse Deutschlands und darüber hinaus ist.

König Joe I., wie ihn das Manager Magazin schon nannte, hat einen weiten Weg hinter sich. Joe Kaeser wurde 1957 unweit der tschechischen Grenze in Niederbayern geboren, als einziger Sohn eines Fabrikarbeiters. Vom Wirtschaftsadel damals weit entfernt, verdiente er sich als Jugendlicher zeitweise auf dem Bau Geld dazu. Nach seinem Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule Regensburg begann er mit 23 Jahren seine Karriere bei Siemens im Unternehmensbereich Bauelemente. In den folgenden Jahren übernahm er verschiedene kaufmännische Leitungsfunktionen und ging 1987 für ein Jahr zum ersten Mal ins Ausland – als kaufmännischer Leiter der Halbleiter-Sparte nach Malaysia. Nach weiteren Leitungsposten in Deutschland wurde der Niederbayer 1994 Finanzdirektor und später CEO der US-Töchter Siemens Components sowie Siemens Microelectronics. Während dieser Zeit erlebte er das Silicon Valley in seiner Anfangsphase. Er verließ Kalifornien 1999 bevor die erste Blase platzte. Seine Affinität für die Start-Up-Denkweise hat er bis heute bewahrt.

Damals wurde Kaeser in der zentralen Finanzabteilung des Konzerns die Aufgabe zum Aufbau eines neuen, konzernweiten Systems zum Performance Controlling übertragen. In dieser Zeit war er im Vorfeld der Börsennotierung in New York unter anderem mitverantwortlich für die Umstellung der weltweiten Rechnungslegung von Siemens auf US-GAAP. Vor seinem Aufstieg vom Finanzchef des Siemens Konzerns 2006, war Kaeser bereits Mitglied des Bereichsvorstands Information and Communication Mobile sowie Finanzdirektor des Bereichs, dann zwei Jahre lang Strategie-Direktor der Siemens AG.

Den Bestechungsgelder-Skandal, der Siemens jahrelang verfolgte, überstand Kaeser unbeschadet. Er beteuerte immer wieder seine Unschuld und wurde letztlich nicht juristisch belangt.

Auch das ermöglichte ihm im Sommer 2013 die Wahl zum Vorstandsvorsitzenden von Siemens durch den Aufsichtsrat, als Nachfolger des erfolglosen Peter Löscher. Außerdem sitzt Kaeser bei Allianz und Daimler sowie dem niederländischen NXP Semiconductors im Aufsichtsrat. Er ist des weiteren Mitglied der Trilateralen Kommission, einer Gesellschaft mit knapp 400 höchst einflussreichen Mitgliedern aus den drei großen internationalen Wirtschaftsblöcken Europa, Nordamerika und Japan sowie einigen anderen ausgesuchten Vertretern. Auf diesem Weg verbindet die Trilaterale Kommission erfahrene politische Entscheidungsträger mit dem privaten Sektor. Ziel der Kommission ist eine verbesserte Zusammenarbeit der drei Wirtschaftsmächte.


  AUSSAGEN

Joe Kaeser über den Freihandel, Trump und soziale Verantwortung

  • Für Freihandel braucht es Mut, so Kaeser.
  • Soziale Marktwirtschaft müsse für technologische Veränderungen offen sein.
  • Kaeser lobt Trumps Beraterstab. Den Präsidenten selbst hält er für besorgniserregend.

 

Über TTIP und Freihandel:

„Eine US-amerikanisch-europäische Freihandelszone ist eine Chance, wie sie sich nur ganz selten ergibt. Sie darf eines aber nicht: Europa und die USA abschotten von anderen Wirtschaftsregionen.“

„Damit die größte Freihandelszone der Welt entsteht, brauchen wir vor allem Mut. Mut, um einen offenen und fairen Wettbewerb mit den USA aufzunehmen. Mut, um selbstbewusst europäische Schutzstandards zu verteidigen.”

Über eine Neuausrichtung der Wirtschaftspolitik:

„Soziale Marktwirtschaft 2.0 muss (…) globale gesellschaftliche Integration, Weltoffenheit, nachhaltiges Wirtschaften fördern, offen sein für technologische Veränderungen und langfristig Orientierung geben.“

Über Freihandelsabkommen:

„Ein erfolgreich verhandeltes langfristiges Abkommen kurbelt den Export an, gibt Planungssicherheit bei Investitionen und schafft langfristig sichere Arbeitsplätze – vor allem auch für kleine und mittlere Unternehmen.“

Über Trumps Berater:

„Er hat einen sehr guten Beraterstab (…Leute), die alles über internationales Business wissen (...) Keiner ist perfekt, aber ein Team kann es sein.“

„Das sind richtig starke, herausragende Leute, die wir alle kennen. Finden diese Berater Gehör, ist der neue Präsident eine Chance für die Wirtschaft.“

Über Präsident Trump:

„Es besorgt uns schon, es besorgt mich persönlich, dass wir Töne hören, die bisher zu unserer Wahrnehmung dieses Landes nicht passten.“

„Populismus und als Folge Nationalismus und Protektionismus engen den Blick ein, fördern Intoleranz und behindern den Welthandel und Zusammenarbeit“

Über sich selbst und seine Fehler:

„Die Gelassenheit so zu behalten, wie ich das möchte, gelingt nicht immer - weil einfach zu viel auf dem Spiel steht. Dabei besteht die Gefahr, dass man sehr direktiv wirkt.“

Über Siemens:

„Ich sage gerne, dass Siemens in Deutschland zur Welt kam, in Europa aufgewachsen und heute in der ganzen Welt zu Hause ist. Dabei spielen der europäische und US-amerikanische Wirtschaftsraum eine besondere Rolle für unsere Firma.“

„Führung heißt am Ende auch, es besser zu wissen als alle anderen im Unternehmen.“

Über die Verantwortung von Unternehmen:

„Offenheit, Toleranz und freier Handel sind Grundüberzeugungen, für die wir einstehen sollten. Verantwortungsvolle Unternehmer dürfen Populisten nicht das Feld überlassen.“

„Unternehmen können (Populismus) entgegenwirken, indem sie zum Gelingen der Gesellschaft beitragen, deren Teil sie sind und der sie dienen.“

Über Mauern und Diskriminierung:

„Zusammenarbeit in Vielfalt“ funktioniert nicht nur, sie macht uns sogar kreativer, innovativer und toleranter.“


  ANSICHTEN

„Extrem intelligent“: Stimmen zu Joe Kaeser

  • Investoren bescheinigen Kaeser eine erfolgreiche Unternehmensführung.
  • In seiner Heimat schätzt man seine Bodenständigkeit.
  • Kaeser könne aber auch „dogmatisch“ sein.

 

Marcus Poppe, Fondsmanager bei der Deutschen Bank

„Der von (Ihm für Siemens) eingeschlagene Weg hat zu sichtbaren Verbesserungen und Ergebnissen geführt.“

Ingo Speich, Fondsmanager von Union Investment:

„Wir wünschen uns, dass Sie die ‚Vision 2020‘, die ganz klar Ihre Handschrift trägt, als Vorstandschef auch zu Ende bringen und eine Vertragsverlängerung zumindest bis 2020 anstreben.“

Hermann Brandl Bürgermeister von Kaesers Geburtstort Arnbruck

„Er nimmt an den Ortsfesten teil, setzt sich zu den Leuten und ist einer von ihnen.“

Ein ehemaliger Kollege:

„Bei seinen Standpunkten (kann er) ein wenig dogmatisch sein. (…) Das kann von Vorteil sein, doch manchmal geht es bis zum Opportunismus.“

Ein früherer Siemens-Topmanager, der mit Kaeser eng zusammengearbeitet hat:

„Joe Kaeser ist der geschickteste Schachspieler, den ich kenne – und extrem intelligent.“

Ein Fondsmanager, der größere Siemens-Pakete hält.

„Dass alles auf Herr Kaeser zugeschnitten ist, sehen wir als Governance-Risiko.“

Chris Bryant, Bloomberg-Industrie-Experte in Frankfurt:

„Er kriegt keine Punkte für Humor, (…) aber Siemens geht es heute viel besser.“

Ein Top-10 Siemens Investor:

„Der eine Punkt, wo er etwas vorsichtig sein muss, ist dass er sicherstellt, dass er die Unterstützung anderer Top-Manager hat.“

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