Leszek Balcerowicz

Polnischer Ex-Finanzminister

  ASPEKTE

  • Als Finanzminister führte er Polen 1989 in die freie Marktwirtschaft.
  • Der Wirtschaftsprofessor soll der Ukraine zu einem ähnlichen Erfolg verhelfen.
  • Er gilt als erfolgreicher Reformator im In- und Ausland.

 

Leszek Balcerowicz, der Vater der polnischen „Schocktherapie“, wurde im April 2016 vom ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko als Berater der Regierung ernannt. Gleichzeitig ist er Berater des Präsidentener und Ko-Vorsitzender der Gruppe der strategischen Berater zur Unterstützung von Reformen in der Ukraine. Dort soll er helfen, einen ähnlich erfolgreichen Übergang zu einer modernen und konkurrenzfähigen Wirtschaft zu erreichen wie Polen.

Bereits seit 1989 arbeitet Balcerowicz an der wirtschaftlichen Transformation Polens und somit am Abbau des kommunistischen Erbes in der Ökonomie ganz Ost- und Mitteleuropas. Der damals 42-jährige hatte selbst seine Karriere als Wirtschaftsberater in der kommunistischen Partei Polens begonnen, schloss sich aber später der entstehenden Solidarnosc an und musste die Partei verlassen. 1989 wurde er so Finanzminister und Vize-Präsident der ersten nicht-kommunistischen Regierung Polens.

Innerhalb von drei Monaten erarbeitete er gemeinsam mit der Regierung das sogenannte „Balcerowicz-Paket“, welches das Parlament noch im Dezember 1989 beschloss. Elf Maßnahmen, die von Arbeitsrecht, über Bankenregulierung und ausländische Investoren bis zu Bankrotterlaubnissen für Staatskonzerne reichten, begründeten die polnische Schocktherapie und so den Übergang zur Marktwirtschaft. Damals gab die Regierung auch den Außenhandel, den Kurs der nationalen Währung Zloty und viele Preise auf einmal frei. Die Privatisierung war eingeleitet.

Balcerowicz, der auch Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses des Ministerrats war, behielt seinen Regierungsposten bis 1991. Von 1997 bis 2001 nahm er in der Regierung Kwasniewski-Buzek wieder die gleichen Posten ein. Zwischen 1995 und 2000 war er außerdem der Vorsitzende der für den freien Markt einstehenden Partei „Freiheitsunion“. Von 2001 bis 2007 leitete er die polnische Nationalbank, zu einem Zeitpunkt, als das Land 2004 der Europäischen Union beitrat und damit neue Verpflichtungen übernahm.

Balcerowicz hat sich seinen Platz in der Geschichte erarbeitet: Anders als Gorbatschow und sein Wirtschaftsteam um Jegor Gaidar, gilt der ehemalige polnische Finanzminister im Ausland und in Polen gleichermaßen als erfolgreicher Reformator, der Polen erfolgreich umstrukturiert und aus dem Schatten des Kommunismus geführt hat.

Neben seinen Positionen in der Ukraine leitet er heute die wissenschaftliche Stiftung FOR und ist Professor an der renommierten Warschauer Wirtschaftshochschule, seiner eigenen Alma Mater. Er ist Mitglied des Vorstands in den einflussreichen Think Tanks Bruegel (Brüssel) und Peterson Institute (Washington D.C.) und einziges Mitglied aus Ost- und Mitteleuropa in der Beratungsgruppe für Finanzpolitik Group of Thirty. Balcerowicz, 1947 geboren, hat außerdem in den 70er Jahren bereits seinen MBA an der New Yorker St Johns Universität abgeschlossen und hat heute mehr als 20 Ehrendoktortitel inne.


  AUSSAGEN

  • Der Ukraine gehe es besser als man im Ausland wahrnehme, so Balcerowicz.
  • Bei Reformen komme man um radikale Veränderungen nicht herum.
  • Der Euro sei ein riesiger Erfolg.

 

Über sein Interesse am Außenhandel:

„Als Student war ich angezogen von der Fakultät für Außenwirtschaft, weil es etwas versprach, das sehr rar war im Kommunismus: Reisen und die Welt sehen. Und so habe ich die westliche Literatur entdeckt.“

Über den Posten des Finanzministers:

„Wenn ein Finanzminister populär ist, dann bedeutet das, dass er schlecht ist.“ (1991)

Über Sozialpolitik:

„Eine Sozialpolitik, die der Wirtschaftspolitik zuwider läuft, ist im Wesentlichen eine Politik, die sich gegen die Gesellschaft richtet.“ (1999)

Über den Euro:

„Der Euro ist bisher ein riesiger Erfolg. Es ist aber klar, dass für den Zusammenhalt der Euro-Zone ein Minimum an Haushaltsdisziplin der einzelnen Mitgliedsländer notwendig ist.“

„Man sollte sich die Währungsunion nicht bloß als Staatengruppe vorstellen. Sie ist eher eine Gruppe von Regionen, die denselben Standards folgen.“

Über die EU:

„Das, was die Euro-Zone und die gesamte EU brauchen, ist so viel klassische Ökonomie wie nur möglich. Aber nicht Keynes, sondern Adam Smith.“

„Was die Beitrittsländer wirklich brauchen, ist Ermutigung, Strukturreformen entschlossen anzugehen, und der Druck gleichgesinnter Länder.“

Über den EU-Beitritt Polens:

„Die Erweiterung könnte die Krönung eines Prozesses werden, der die ungerechte Teilung Europas nach dem Zweiten Weltkrieg endgültig überwindet. (...) Polen ist ein riesiger neuer Markt. Unser Beitritt dient den Interessen beider Seiten.“

Über die Ukraine:

„Die Entwicklung der Ukraine ist viel besser, als man das im Ausland zeigt. Ich muss diese Erfolge aufzeigen, die im Westen nicht immer wahrgenommen werden.“

„Der Westen sollte der Ukraine viel mehr Aufmerksamkeit widmen als Griechenland. Sie ist viermal so groß, grenzt an Russland und ist ein Testfall für die EU und die NATO.“

Über die Reformen in Polen:

„Es gab so ein Gefühl, dass – weil Polen gleichzeitig mit der wirtschaftlichen Katastrophe auch seine Freiheit erlangt hatte – die Menschen dazu bereit waren, mehr zu akzeptieren als normalerweise, sagen wir mal, wirklich radikale Veränderungen.“

„Man kann den Sozialismus nicht in behutsamen Schritten abschaffen.“

Über seine Rolle in der polnischen Transformationsregierung:

„Ich hätte nie einen Posten in der Regierung angenommen, nur um in der Regierung zu sein. Premierminister Mazowiecki hat mich gefragt und ich habe abgelehnt. Als ich dann zugesagt habe, war das unter der Bedingung, dass ich radikale Veränderungen vornehmen würde.“

Über die Reformen in Russland:

„Gorbatschows Idee war, das allgemeine sowjet-typische Wirtschaftssystem zu modernisieren. Er hatte nicht vor, Privatbesitz zu legalisieren, was die Grundlage ist. (...) Ich glaube nicht, dass er vorhatte, den ganzen Weg zu gehen.“

„Jelzin war ein bisschen weniger optimistisch im Hinblick auf die Geschwindigkeit der Veränderungen als Gaidar. Er sagte er hätte einen Job für mich in Russland, aber ich habe mich für Polen entschieden. Allerdings habe ich die Entwicklungen in Russland stets sehr aufmerksam verfolgt.“


  ANSICHTEN

  • Balcerowicz wird beiderseits als Mensch und Ökonom geschätzt.
  • Ihm sei der Erfolg Polens zu verdanken.
  • Er sei ein moderner Patriot.

 

Mitarbeiter seiner wissenschaftlichen Stiftung FOR:

„Intellektuell kann man sich mit ihm nur schwer messen.“

Agata Stremecka, Vorsitzende der Stiftung FOR:

„Die meisten Ideen hat er vor sieben Uhr morgens, ein Glück konnten wir ihn überzeugen, erst um neun Uhr mit der Arbeit zu beginnen.“

Jakub Karnowski, Vorstandsvorsitzende der polnischen Bahnen PKP ( 2012-2015):

„Alles, was er macht, macht er, damit sich Polen entwickelt. Er ist ein moderner Patriot.“

Petro Poroschenko, Präsident der Ukraine:

„Es wird mir eine große Ehre sein, mit Herrn Balcerowicz (…) zusammenzuarbeiten. Und ich denke, dass das Kabinett der gleichen Meinung ist.“

Jean Pisani‐Ferry, Direktor des Think Tanks Bruegel in Brüssel:

„Leszek Balcerowicz herausragende Erfahrung und sein Ruf werden ein beachtlicher Gewinn für die nächste Phase der Entwicklung (von Bruegel) sein.“

Steffen Kampeter, Staatssekretär beim Bundesminister der Finanzen:

„Balcerowicz hat eine entscheidende Rolle bei der postsozialistischen Transformation der Gesellschaft und dem Aufbau einer modernen Wirtschaftsordnung in Polen in den 90er Jahren gespielt.“

John Allison, Vorsitzender des CATO Institute, US-amerikanischer, konservativer Think Tank:

„Einer der größten Helden des Liberalismus in der Welt.“

„Leszek Balcerowiczs Beitrag zum Fortschreiten von Freiheit und freien Märkten in Osteuropa kann gar nicht übertrieben werden.“

Wall Street Journal, führende US-amerikanische Wirtschaftstageszeitung:

„Als ein Krisenmanager der Wirtschaftspolitik hat Leszek Balcerowicz kaum seinesgleichen.“

Garri Kasparow, Schachweltmeister:

„Dank ihm ist Polen eine Erfolgsgeschichte geworden, die Wladimir Putin Albträume bereitet.“

James Dorn, Wirtschaftsexperte und Forbes-Autor:

„Als der Moment kam, war Balcerowicz bereit. Er wusste schon, welches die notwendigen Schritte waren, um die Transition von Planwirtschaft zu Marktwirtschaft durchzuführen.“

Grzegorz Nurek, Redakteur der Wochenzeitschrift „Tygodnik Powszechny":

„Es ist schwer, sich vorzustellen, wie Polen heute ohne die mutigen Reformen von Leszek Balcerowicz in den 1990er aussehen würde.“

Andrey Reva, Minister für Sozialpolitik der Ukraine:

„Er ist ein hervorragender Mensch, ein hervorragender Ökonom.“

„Ich glaube, tief in seinem Herzen ist jeder Pole Leszek dankbar.“

 

Foto: balczerowich.pl / Adam Golec

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