Tigran Sargsjan

Vorsitzender der Eurasischen Wirtschaftskommission

  ASPEKTE

  • Sargsjan gilt als Finanz- und Wirtschaftsexperte.
  • Nach seiner politischen Karriere im Heimatland machte er Station als Botschafter in Washington.
  • Als Chef der Eurasischen Wirtschaftskommission betont er die Offenheit der Union gegenüber Drittstaaten – und der EU.

 

Der Chef der Eurasischen Wirtschaftskommission ist ein erfahrener internationaler Politiker und Experte für Finanz- und Wirtschaftspolitik.

Tigran Sargsjan wurde 1960 in Wanadsor (früher Kirowakan) als Sohn eines Journalisten geboren. Er hat in Jerewan, St. Petersburg und Washington Wirtschaft und Finanzen studiert und zur sozio-ökonomischen Entwicklung in Armenien dissertiert. Nach dem Karrierestart in einem Forschungsinstitut stieg er Anfang der neunziger Jahre in die Politik ein. Schnell etablierte er sich dank seiner finanzpolitischen Expertise in diversen Gremien. Es folgten führende Posten in der Banken- und Finanzwelt des Landes, darunter als Chef der Armenischen Zentralbank, wo er maßgeblich an der Einführung der armenischen Währung Dram mitwirkte, Internationale Rechnungslegungsstandards im Land etablierte und Korruption im Bankensektor bekämpfte. Zwischenzeitlich parteilos trat er später der Republikanischen Partei Armeniens bei.

Zwischen 2008 und 2014 leitete er schließlich die Regierung des Landes als Premierminister. In Sargsjans Zeit fallen viele Reformen unter anderem des Finanz- und Steuersektors. Gleichzeitig war seine Amtszeit von mehreren Wirtschafts- und Finanzkrisen geprägt, unter anderem in den Jahren 2008/09 sowie 2011, als das Land von einer fast zweistelligen Inflationsrate gebeutelt wurde.

Einen Korruptionsskandal im Jahr 2013 überstand er weitgehend unbeschadet. Ihm war vorgeworfen worden, Geld über Offshore-Konten veruntreut zu haben. Es waren nicht die einzigen Korruptionsvorwürfe seitens seiner Gegner. Doch Sargsjan, wies alle Vorwürfe zurück. Ein Untersuchungsausschuss entlastete ihn schließlich.

2014 trat er von seinem Amt als Regierungschef zurück. Nicht ganz freiwillig: Eine umstrittene Rentenreform, die auf viel Kritik und Gegenwehr gestoßen war, war schließlich als nicht mit armenischem Recht vereinbar beurteilt worden. Sargsjan war als Premier unhaltbar. Der armenische Präsident Sersch Sargsjan ernannte ihn kurz darauf zum Botschafter und entsandte ihn nach Washington. Sargsjans Abgang wurde als Rückschlag für den Reformkurs Armeniens bewertet. Sein Nacholger Hovik Abrahamyan gilt als Oligarch mit engen Beziehungen zur Geschäftswelt.

Seit 2016 hat Sargsjan den Vorsitz der Eurasischen Wirtschaftskommission inne. Er folgte auf den russischen Vize-Premierminister Viktor Khristenko. Der Armenier mit dem sanften Händedruck gilt als eher pro-westlich und betont immer wieder gegenüber der EU seine Bereitschaft zur Kooperation. Bislang hält sich die Europäische Union gegenüber der Eurasischen Wirtschaftsunion aber zurück.


  AUSSAGEN

  • Sargsjan spricht sich für einen „gemeinsamen Wirtschaftsraum von Lissabon bis Wladiwostok“ aus.
  • Die EAWU sieht er als notwendige Antwort auf die Globalisierung.
  • Die Beziehungen zu Drittstaaten will er massiv ausbauen.

 

Über die Beziehungen der EAWU zur EU:

„Wir brauchen einen Vertrauensraum von Lissabon bis Wladiwostok.“

„Wir würden uns freuen, Kontakte auf der Ebene von Experten, auf Ebene der Politik, auf der obersten Ebene – auf jeglicher Ebene zu haben.“

„Wir müssen mit allen Partnern Brücken bauen, keine Mauern – einschließlich der EU.“

„Wir wissen, dass es auch (in der EU) diejenigen gibt, die sich für Dialog aussprechen.“

Über die Fortschritte der Integration innerhalb der EAWU:

„Trotz der Tatsache, dass die Mitgliedstaaten bereits viel getan haben, um die vier Freiheiten zu sichern, bleibt noch viel zu tun, bis diese in der Union in finaler Form angewandt werden.“

„Es ist von fundamentaler Bedeutung, dass wir uns innerhalb der EAWU auf makroökonomische Indikatoren einigen und uns daran halten, um ein stabiles Umfeld zu kreieren, insbesondere für Unternehmen.“

„Wir befürworten bessere Kooperation. Wir schotten Märkte nicht ab, sondern öffnen sie. Denn die Hauptaufgabe, der wir gegenüberstehen, ist, die Lebensbedingungen für die Bevölkerungen unserer Länder zu verbessern.“

Zu Russlands Präsident Putin: „Wie Sie bereits sagten: Das Potenzial für Integration ist groß und wir müssen es im Sinne unserer Völker nutzen.“

Über die EAWU und Globalisierung:

„Die EAWU ist unsere Antwort auf globale Herausforderungen.“

„Wir sehen, wie sich Wirtschaft und Handel global verändern. Die Eurasische Wirtschaftskommission (EWK) und unsere Union im Allgemeinen müssen bereit sein, ihren Platz in den globalen Transformationen zu finden.“

„Unsere Priorität liegt darauf, wirtschaftliche und Handelsbeziehungen zu Drittländern und wirtschaftlichen Vereinigungen zu schaffen. Dort gibt es Potenzial für wirtschaftliches Wachstum.“

„Das Interesse (von Drittländern) an unserer Union ist hoch.“

Über Armeniens Beziehungen zur EAWU:

Auf die Frage nach einer Mitgliedschaft Armeniens in der Eurasischen Zollunion, vor 2013, als das Land noch über einen EU-Beitritt verhandelte: „unlogisch“

„Nachdem Armenien nun Mitglied der EAWU ist, sind wir nicht länger ein Land mit einer Bevölkerung von 3 Millionen, sondern Teil eines riesigen Marktes mit einer Bevölkerung von 200 Millionen.“

Über Korruptionsvorwürfe im Jahr 2013:

„Ich habe nie irgendein Unternehmen offshore registriert oder dies veranlasst.“

„Jeder mit auch nur dem geringsten Verständnis des Finanzsystems muss zustimmen, dass dies absurd klingt. Kein Grund für weitere Erklärungen und Rechtfertigungen. So ein Unsinn könnte mir nie in den Sinn kommen.“


  ANSICHTEN

  • Sargsjan wird aufgrund seiner Expertise geschätzt.
  • Er gilt gemeinhin als progressiv.
  • Ökonomen und Politikwissenschaftler bezweifeln jedoch den tatsächlichen Einfluss seines aktuellen Postens.

 

Nursultan Nasarbajew, Präsident Kasachstans:

Tigran Sargsjan habe die Führung der EWK zu einer schwierigen Zeit für die Weltwirtschaft übernommen und es sei „schwierig unter diesen Voraussetzungen Wege zu Wachstum zu finden.“

Russlands Präsident Putin:

„Sie haben eine wichtige neue Mission und sind ein internationaler Offizieller auf Senior-Level. Es gibt viele Probleme und Angelegenheiten, die wir zusammen lösen müssen. Am wichtigsten ist, dass wir die Vorteile der Integration bestmöglich nutzen, um die Probleme unserer Länder zu lösen.“

Der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko:

„Seine Kandidatur wurde vom russischen Präsidenten abgenickt. Sie haben zusammen gearbeitet. Er ist ein sehr erfahrener und progressiver Spezialist.“

Vache Gabrielyan, Vize-Premierminister Armeniens:

„Herr Sargsjan wird seinen Job professionell machen.“

Sergey Minasyan, stellv. Direktor des armenischen Think-Tanks Caucasus Institute:

Der Vorsitzende der EWK sei immer noch hauptsächlich ein symbolischer Posten. Was Wirtschaftsfragen angehe, werde „Sargsjan sehr positiv wahrgenommen. Aber ich glaube nicht, dass er in irgendwelchen Angelegenheiten eine entscheidende Rolle spielen wird.“

Vilen Khachatryan, Ökonom:

Sargsjans Ernennung gründe auf seiner großen Professionalität, „aber man sollte keine zu großen Gewinne daraus erwarten. Denn in der Realität gibt es starke Player, wie den kasachischen oder den russischen Präsidenten, die ihre eigenen politischen Interessen verfolgen.“

Unsere Partner

  • ECOVIS Beijing
  • Osteuropaverein
  • Burkardt und Partner
  • Rödel & Partner
  • PricewaterhouseCoopers
  • RSP International
  • Thost
  • Schneider Group
  • Fischer HRM
  • Brand & Partner
  • Allianz
  • SGS Group Germany
  • Rufil Consulting
  • Irana Consulting
  • Noerr
  • GERMELA
  • Deloitte Legal
  • Commerzbank
  • Koehler Group
  • CT Executive Search
  • Certification & Consulting
  • arsa consulting
  • Lorenz & Partners